2013 – Notensystem (FH JOANNEUM)

Seit ich 2008 begann, 3D-Grafik und Animation zu unterrichten, habe ich kontinuierlich nach einer Methode gesucht, die Arbeiten der Studierenden fair, konsistent und transparent zu benoten. Mir ist es außerdem sehr wichtig, Feedback zu geben.

Jedes Jahr erhalte ich 60-70 Arbeiten von Studierenden, die benotet werden müssen. Diese Arbeiten bestehen meistens aus Bildern und manchmal auch Film-Clips. Anfänglich benutzte ich Excel für die Benotung, habe aber schnell gemerkt, dass dies zu aufwendig und zeitraubend war. Als ich mich nach einer Software-Lösung für Benotung umgesehen habe (z.B. Moodle), habe ich feststellen müssen, dass alle Systeme entweder zu kompliziert sind, umständlich über Web-Interfaces die Arbeiten hochladen lassen müssen oder keine gleichzeitige Ansicht von Benotungstabelle und Arbeiten ermöglichen. Als habe ich mich dazu entschlossen, meine eigene Software dafür zu schreiben.

Die Software sollte plattformunabhängig sein, da ich im Büro oft zwischen Windows, Mac OS X und Linux hin und her wechsle. Außerdem sollte die Software ihre Daten zentral speichern und das Interface von überall zugreifbar halten – perfekte Voraussetzungen für einen Web Service. Seit den Anfängen 2009 wurde die Software mehrere Male überarbeitet und es werden laufend neue Features hinzugefügt.

Datenablage

Die Software benutzt keine traditionelle Datenbank für die Datenablage, sondern speichert alles als Dateien auf der Festplatte. Das hat den Vorteil, dass man vollständige Backups der Software inklusive aller Daten machen kann, indem man nur das Hosting-Verzeichnis vom Server kopiert. Außerdem kann man auf diese Weise die nativen Dateimanagement-Funktionen des Betriebssystems nutzen, um Dateien umzubenennen, zu verschieben, Verzeichnisse zu erstellen etc.

Erstellen eines neuen Kurses

Wenn die Studierenden eines neuen Jahrgangs ihre Arbeiten abgeben, lege ich diese Daten in Verzeichnissen ab, wo sie von der Software gefunden und indiziert werden. Die neueste Version der Software kann Kurse und einzelne Ordner für Studierende mit Informationen anlegen, die sie per LDAP aus dem Firmen-AD holt. Eine Übersicht zeigt Details zu allen Jahren und Kursen, welche Studierenden ihre Arbeiten abgegeben haben (und welche noch nicht), Informationen zu den Punkten und die Noten. In dieser Übersicht können einzelne Kurse isoliert und in einer Druckansicht (mit eigenem CSS) ausgegeben werden – diese Liste kann dann z.B. an das Sekretariat weitergeben werden, wenn die Benotung abgeschlossen ist. Auf dieser Übersicht kann man außerdem Feedback-E-Mails nach einer Vorlage mit angehängten PDFs erzeugen lassen (siehe unten). Diese .eml-Dateien können dann in ein Mail-Programm wie Mozilla Thunderbird importiert, nocheinmal überprüft und auf einen Schlag losgeschickt werden.

Der Benotungsprozess

Jeder Kurs hat eine Kriterienliste und eine Notentabelle. Diese Dateien werden als CSV-Text gespeichert, um es zu ermöglichen, sie einfach zu bearbeiten oder zwischen Kursen zu kopieren. Von diesen Dateien werden die tatsächlichen Noten der Studierenden automatisch ausgerechnet, nachdem die Kriterien ausgefüllt wurden.

Wenn man auf der Übersicht auf den Namen eines Studierenden klickt, gelangt man in die Benotungsansicht. Auf der linken Seite wird ein HTML-Formular aus der Kriterienliste erzeugt und auf der rechten Seite werden alle Arbeiten dargestellt, die im Verzeichnis des Studierenden gefunden worden sind.

Automatisches Konvertieren der Arbeiten für die Darstellung im Browser

Webbrowser können nur eine kleine Handvoll von Dateiformaten nativ darstellen: JPEG, GIF, PNG und ein paar Videoformate. Alle anderen Formate müssen erst konvertiert werden. Das Notensystem benutzt Betriebssystemsaufrufe, um alle möglichen Dateien umzuwandeln. Auf diese Weise werden ZIP-Dateien entpackt, TIFFs, PSDs und sogar PDFs werden vollautomatisch in JPEG konvertiert.

Benotung

Ab jetzt ist die eigentliche Benotungsarbeit darauf reduziert, Checkboxen und Radio Buttons anzuklicken und gelegentlich ein Textfeld auszufüllen. Über dem Formular befindet sich eine Sektion, die mit JavaScript und AJAX-Aufrufen Live-Informationen zur Note anzeigt und sich automatisch aktualisiert, wenn man irgendein Formularfeld verändert. Diese Doppelansicht hat den Prozess für mich signifikant verbessert, sowohl in Qualität als auch Geschwindigkeit. Sobald die Benotung abgeschlossen ist, kann das Formular gespeichert werden – eine weitere CSV-Datei wird im Studierendenverzeichnis erzeugt, in der alle erreichten Punkte und Textkommentare gespeichert werden. Diese Datei wird anschließend verwendet, um auf der Übersicht die fertige Note zu berechnen.

Feedback erzeugen

Die Benotungsseite kann mit einem eigenen Print-CSS ausgedruckt werden: entweder auf Papier, oder – wie in meinem Fall – in ein PDF. Dieses PDF enthält das gesamte Kriterienformular und sämtliche Arbeiten, die abgegeben worden sind, um Mißverständnissen vorzubeugen. So ist immer klar, welche Arbeiten wie benotet worden sind: maximale Transparenz. Zurück auf der Übersicht können E-Mails mit diesen PDFs im Anhang für den gesamten Kurs erzeugt werden, was das Überprüfen und Abschicken des Feedbacks leichter für mich macht.

Die Zukunft

Das System ist für Multi-User-Fähigkeit entworfen worden: jeder Lehrer bekommt sein eigenes Verzeichnis mit Jahren, Kursen, Kriterien, Notentabellen und Studierendenarbeiten. Momentan bin ich noch der einzige Benutzer der Software, aber einige Kollegen haben schon starkes Interesse daran angekündigt, es auch ausprobieren zu wollen.

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